Die Union auf der Überholspur: Mein Wahlupdate

Mit der neuesten Umfrage von Infratest [1]zeigt sich auch da das Bild, das andere Institute schon vorher veröffentlicht hatten. Die Grünen haben deutlich verloren, fast ebenso groß sind die Gewinne der Union, sodass die Union die Grünen von Platz eins wieder verdrängt hat. Über diesen Link können Sie lesen, warum die Wahl spannend bleibt. Bei den anderen Parteien sind die Umfragen weitgehend stabil. In diesem Post werde ich

  • die aktuelle Umfrage von Infratest in meine Wahlprognose einordnen,
  • Trends bei Union und Grünen wieder mit Mitteln der Chartanalyse kommentieren,
  • Erkenntnisse aus der Wahl in Sachsen-Anhalt auf Relevanz für die Bundestagswahl diskutieren.  

Die aktuelle Umfrage in meine Wahlprognose eingeordnet  

Das Update für alle derzeit im Bundestag vertretenen Parteien sehen Sie in der Tabelle unten. Diese Tabelle enthält auch meinen Prognosekorridor aus dem ersten Artikel. Für die Erstleser*innen: In dieser Artikelreihe versuche ich eine Wahlprognose mit Unterstützung von Techniken, die man aus der Chartanalyse von Aktienkursen kennt.

Ich sehe meine Prognose weiterhin stabil. Zwar sind zwei Parteien außerhalb meines Prognosekorridors – die Grünen und die AfD. Den Wert der AfD interpretiere ich aktuell als zu beobachtenden, aber nicht trendbildenden Ausreißer aus dem Korridor. Auf die Entwicklung bei den Grünen werde ich detailliert eingehen. Weil die Union noch in meinem Trendkorridor liegt, bei den Grünen die Chance auf Trendumkehr besteht, werde ich meine Ursprungsprognose weiterhin nicht anpassen.

PrognoseAktuelleWerte
MinimaMaxima Durchschnitt16. April 6. Mai 14. Mai 10. Juni
CDU/CSU252826,528232428
Grüne22262421262520
SPD141715,515141514
FDP10121111111212
Linke67,56,757677
AfD8119,511121112
Sonstige4657867
Meine Ursprungsprognose und Werte der Umfragen, die aktuell rot markierten liegen außerhalb meine Vorhersage

Verglichen mit der letzten Befragung von Infratest hat die Union einen Rückstand gegenüber den Grünen von einem Prozentpunkt in eine Führung um 8 Prozentpunkte gedreht. Im Chart können Sie ganz rechts in Weiß dieses „Überholmanöver“ dargestellt sehen. In meiner Prognose bin ich von einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Vorteilen für die Union ausgegangen. Aktuell spricht Vieles für die Union.

Union im Aufwärtstrend

Mit einem Plus von 4 Prozentpunkten hat die Union einen beachtlichen „Sprung“ (weiß markiert im Graphen) nach oben gemacht. Sie hat sich damit auch von den ehemals historischen Tiefständen von 25 Prozent abgesetzt – siehe grüne Gerade. Diese Linie hat sich daher als Haltelinie bestätigt, für mich ist sie weiterhin der untere Korridor für das Wahlergebnis der Union. Mit den 28 Prozent hat die Union den linearen Trend (blaue Gerade) erreicht – vgl. weißer Kreis, der für mich bisher die Obergrenze des Wahlpotentials der Union ausmachte, weil der langfristige Trend für die Union abwärtsgerichtet ist.

Wenn die Union aber in den nächsten Umfragen diesen Abwärtstrend nach oben nachhaltig durchbricht, könnte eine „Rally“ nach oben gestartet werden. In der Vergangenheit war die lineare Trendkurve (vgl. rote Kreise) aber oft ein Umkehrpunkt in der Wählergunst. Von der Bundestagswahl 2017 bis heute konnte erst mit der Corona-Krise der lineare Abwärtstrend nach oben durchbrochen werden. Insofern bleibe ich zurückhaltend, ob ein weiterer Schub nach oben gelingt und ich meine Prognose für die Union anpassen muss. In den Charts zu den Parteien sehen Sie meine Prognosekorridore aus der Tabelle durch rote Klammern ausgedrückt.

Der Absturz der Grünen

Ein Minus von 5 Prozentpunkten ist schon ein hoher Einbruch in den Zustimmungswerten. Seit der letzten Umfrage lagen mehrere Ereignisse, die hierzu vermutlich beigetragen haben:

  • Die Pannen bei der Nachmeldung von Sonderzahlungen von Annalena Baerbock und die Korrekturen in den veröffentlichen Lebensläufen wecken Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Spitzenkandidatin. Eine höhere Glaubwürdigkeit und „Wir sind anders“ waren ein wichtiger Grund für hohe Zustimmungen in der Vergangenheit. Die Quittung dafür hat die Forschungsgruppe Wahlen aufgezeigt mit der Verschlechterung bei Beliebheitswerten von Frau Baerbock, die jetzt in der Zustimmung von den Konkurrenten Laschet und Scholz überholt wurde.[2]
  • Das enttäuschende Wahlergebnis der Grünen in Sachsen-Anhalt hat für einen zusätzlichen Dämpfer in der Stimmung gesorgt.  
  • Auch die Debatte um Kurzstreckenflüge und die Erhöhung von Benzinpreisen dürfte negativ zu Buche geschlagen haben. Auf der einen Seite kann Klimawandel nicht ohne Einschränkungen und Erhöhung von Preisen für Umweltverschmutzung gelingen. Wenn die Grünen den Trend umkehren und die Wahl gewinnen wollen, müssen sie hier aber Lösungen anbieten bzw. besser vermitteln, die zielführend und sozial ausbalanciert sind. Daneben sollte man sich nicht als „Verbotspartei“ politisch angreifbar machen. Der Parteitag der Grünen vom 11. bis zum 13. Juni wird hier weichenstellend sein.

Im Chart ist dieser Abwärtstrend mit Weiß markiert. Blickt man in die Vergangenheit, so haben sich die historischen Höchstwerte als Obergrenze für das Wahlpotenzial der Grünen bestätigt, die bei 26 Prozent liegt – rote Gerade. Von dieser Geraden sind die Grünen wieder (rote Kreise) abgeprallt und haben auch den langfristen Aufwärtstrend (graue Gerade) nach unten durchbrochen (weißer Kreis). Aus charttechnischer Sicht könnte eine Linie der relativen Minima, die ich mit gelb hier eingezeichnet habe, die Untergrenze darstellen, von der eine Bodenbildung und Trendumkehr gelingen kann.


Welche Implikationen hat die Wahl in Sachsen-Anhalt für die Bundestagswahl?

Der Wahlsieg der Union in Sachsen-Anhalt fiel überraschend hoch aus. Der Amtsinhaber Reiner Haseloff konnte die Wahl für sich entscheiden. Wie schon in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zuvor haben die Wähler*innen sich stark von dem Prinzip Verlässlichkeit leiten lassen und keine Experimente gewählt. Der Bonus des Ministerpräsidenten war deutlich. Weil Angela Merkel Ende September nicht mehr antritt, gibt es einen vergleichbaren Kanzlerbonus für die Bundestagswahl nicht.

Demgegenüber können meiner Ansicht nach folgende Hintergründe aus der Wahl in Sachsen-Anhalt auch für die Bundespolitik übertragbar sein:

  • Eine deutliche Abgrenzung von der AfD macht für die Union Sinn.
  • Die AfD ist stärkste Kraft bei den sozial Schwachen und profitiert aus dem Kernklientel von SPD und Linken. Beide Parteien müssen für die Bundestagswahl die Frage beantworten, wie sie als glaubwürdige Partei für sozial Schwächere wieder wahrgenommen werden.
  • Trotz abebbender Coronakrise war der Briefwahlanteil in Sachsen-Anhalt sehr hoch. Dies wird bei der Bundestagswahl ähnlich sein, sodass ein Wahlkampfendspurt an vielen (Brief)-Wählern vorbei gehen wird.
  • Wie die Wähler die Politik in Bezug auf das Management der Coronakrise bewerten, wird sehr wichtig für den Wahlausgang sein.

Der Trend spricht aktuell für die Union. Aber natürlich ist die Wahl noch nicht entschieden. Die Schwankungen in der Wählergunst sind ungewöhnlich hoch. Aktuell scheinen die Hauptverschiebungen in den Wahlprognosen zwischen Union und Grünen zu verlaufen. Der Parteitag der Grünen mit der Verabschiedung des finalen Programms steht unmittelbar bevor, die Union wird ihr Wahlprogramm am 21. Juni vorstellen. Ich bin gespannt (und ich werde das hier aufgreifen), inwieweit inhaltliche Themen daraus den Wahlkampf prägen werden und ob in den Sommerferien die Bürger*innen sich mit Politik beschäftigen.

Bis dahin und einen schönen Sommer wünsche ich Ihnen!

Klaus Peren


[1] https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/sonntagsfrage/

[2] https://www.forschungsgruppe.de/Aktuelles/Politbarometer/

One thought on “Die Union auf der Überholspur: Mein Wahlupdate

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.