Wahlprognose 2021 aktuell: Olaf Scholz und SPD unaufhaltsam

Mit dem ersten Fernsehtriell ist der Wahlkampf in seine intensive Endphase gegangen. Gibt es nun Änderungen der Trend im Vergleich zu meinem letzten Post? Die aktuellen Zahlen von infratest dimap zeigen[1], dass der Aufwind der SPD ungebrochen ist, ein Plus von 4 Prozentpunkte (auf 25 %). (In meinem Blog gibt es mittlerweile aktuellere Beiträge zu dem Thema, die Sie über die Suchfunktion mit dem Stichwort „Bundestagswahl“ finden können) Auf der Verliererseite stehen weiterhin Union (minus 3 auf 20 %) und Grüne (minus 1 auf 16 %), auch die Linke verliert (minus 1 auf 6 %). Die SPD ist nun auch bei infratest stärkste Partei (und das sehr deutlich), die Union reißt ein Allzeittief nach dem anderen und auch die Grünen konnten keine Wende herbeiführen. Also aktuell nirgendwo eine Trendumkehr. Im Gegenteil: Aktuell läuft alles in Richtung SPD und Olaf Scholz.


Ich habe im ersten Chart wieder die Zufriedenheitswerte der o. g. Parteien für diese und die vergangene Legislaturperiode aus Datenreihen von Infratest dimap abgebildet. Weitere Artikel zu dem Thema können Sie über das Suchfeld, Stichwort “Bundestagswahl”, finden.

SPD: Aufwärtstrend stabil und jetzt mit Abstand stärkste Partei

Olaf Scholz zieht seine Partei immer weiter nach oben. Der dynamische Aufwärtstrend ist intakt und erinnert in den Zahlen an die Aufbruchstimmung unter Martin Schulz – vgl. gelbe Gerade. Das erste Triell konnte er deutlich für sich entscheiden, auch in den Fragen zu Sympathie und Kompetenz. Wenn Parteien in ihrem Profil unklar sind, das Links-Rechts-Spektrum keine Orientierung bietet und Programme den Charakter von Wunschlisten oder Fake-Angebote beinhalten (von denen die Parteien wissen, das die Punkte nicht realisierbar sind), orientieren sich Wähler*innen an den Führungspersonen. Und da punktet allein Herr Scholz. Insofern erklärt das den rasanten Aufstieg der SPD.

In den Zahlen sieht man: Die SPD entfernt sich immer weiter von ihrem mittelfristigen Abwärtstrend (linear SPD, ab weißem Kreis). Der Aufwärtstrend ist ungebrochen. Bei Coronazahlen würde man von exponentiellem Wachstum sprechen, die Zuwachsraten steigen.

Union weiter ohne Bodenbildung im freien Fall

Mit 20 Prozent hat die Union den historischen Tiefstwert vom 6. Mai und 20. August des Jahres gleich um 3 Prozentpunkte nach unten durchbrochen und die Unterstützungslinie von 25 Prozent ist weit entfernt. Aus Chartsicht bedeutet das, dass jetzt der weitere Absturz in Richtung der gelben Geraden droht, die relative Tiefstwerte der vergangenen fast 8 Jahre verbindet.

Triell verloren, Rote-Socken-Kampagne und die Strategie der Kompetenzteams scheinen nicht zu greifen. Die Zahlen sind Ausweis der verfestigten negativen Stimmung gegen die Union und es droht eine historische Wahlschlappe. Armin Laschet reißt die Union noch weiter nach unten.

Grüne haben Abstieg verlangsamt

Die Grünen haben die gelbe Gerade (wie bei Union: Gerade der relativen Minima der Vergangenheit) nun nachhaltig nach unten durchbrochen. Das „Verkaufssignal“ der letzten Umfrage hat sich bestätigt. Mit 16 Prozent Zustimmung ist die Partei weit weg von den 26 Prozent-Höchstwerten.

Frau Baerbock machte im Triell einen guten Eindruck, anders als bei der Union hat sich der Abwärtstrend bei den Grünen verlangsamt, sodass eine Chance auf eine Stabilisierung und Trendumkehr besteht.

Nun Fünf statt vier Koalitionsoptionen – R2G kommt dazu


Auf Basis der aktuellen Umfragewerte gibt es rechnerisch nun wieder fünf realistische Koalitionsoptionen. Hinzugekommen ist Rot, Rot, Grün (R2G, roter Pfeil in der Grafik). Mit zusammen 47 Prozent liegt R2G aktuell einen Prozentpunkt oberhalb von 46 %. Wegen 8 % bei den sonstigen Parteien würde dies für eine Mehrheit im Bundestag reichen. In vier dieser fünf Koalitionsoptionen wäre die SPD dann als stärkste Partei vertreten. Einzig die sog. Jamaikakoalition aus Union, Grüne und FDP wäre ohne Beteiligung der SPD denkbar. Mir fehlt die Fantasie zu glauben, dass die Grünen in diese Koalition einsteigen würden, angesichts von Alternativen mit höherer Überlappung in den politischen Zielen.

Daneben kommt mit dem Zweierbündnis aus Union und SPD eine Zweierkoalition wieder in Reichweite für eine Bundestagsmehrheit. Mit zusammen 45 Prozent fehlt nur ein Prozentpunkt. Aber eine Neuauflage der Großen Koalition ist wohl kein tragfähiges Szenario.

Es wird daher immer wahrscheinlicher, dass die SPD die Wahl gewinnt und Olaf Scholz Kanzler wird und schon kursieren in Berlin die ersten Listen über mögliche Minister*innen einer Ampelkoalition[2].

Die Dynamik in den Umfragen kann zwar immer noch zu Umkehreffekten führen. Eine Analyse der Bundestagswahl von 2017 zeigte, dass sich gut die Hälfte der Wähler*innen in den letzten 6 Wochen vor der Wahl noch mindestens einmal umentschieden haben[3]. Aber die Trends von SPD, Union und Grünen sind sehr stabil und wir haben nur noch gut drei Wochen bis zur Wahl. Daneben werden wir sicher eine Rekord-Briefwahlbeteiligung sehen, sodass in den nächsten Tagen immer mehr Wähler*innen sich entscheiden. Also kaum noch Zeit für einen Stimmungsumschwung.


[1] https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/sonntagsfrage/

[2] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundestagswahl-2021/bundestagswahl-in-berlin-kursieren-erste-personalspekulationen-fuer-eine-ampelkoalition/27566090.html

[3] https://yougov.de/news/2017/11/21/die-flexiblen-wahler-der-bundestagswahl-2017/

1 Kommentar on “Wahlprognose 2021 aktuell: Olaf Scholz und SPD unaufhaltsam

  1. Blöder Genderschreib, ansonsten noch recht interessant, ich hoffe jedoch, dass diese Lobbyistenpartei wieder in den Sinkflug geht und die Grünen auch eines Tages unter 5% fallen werden. CDU kann mir egal sein, hinweg mit dem MIST.

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